Zwischen Glaubensgeschichte und Kunstraub
Trotz hochsommerlicher Temperaturen war der VLS-Stammtisch im Juli gut besucht. Helga und Horst Bast berichteten von ihrer Forschungsreise durch Kärnten und die Steiermark. Sie suchten in den nach der Verkündung des Toleranzpatents durch Kaiser Joseph II. im Jahr 1781 von Protestanten gegründeten Toleranzgemeinden nach Spuren und Hinweisen auf jene Zillertaler Protestanten, die 1837 das Zillertal wegen ihres Glaubens verlassen mussten.
Mit zahlreichen Fotografien dokumentierten sie ihre Besuche in den 22 evangelischen Pfarrgemeinden der beiden österreichischen Bundesländer. Eine architektonische Besonderheit mehrerer Toleranzgemeinden ist der Kanzelaltar, bei dem die Kanzel unmittelbar über dem Altartisch angeordnet ist. Diese Verbindung von Kanzel und Altar verdeutlicht die zentrale Bedeutung von Predigt und Abendmahl im evangelischen Gottesdienst. Ein besonderes Highlight war der Besuch des Evangelischen Museums in Fresach in der Nähe des Millstätter Sees. Unter den zahlreichen Exponaten im großen Ausstellungsraum befand sich die Hausglocke des 1837 ausgewanderten Michael Schneeberger vom Brandberg im Zillertal. Er brachte diese Hausglocke aus seiner alten Heimat über Schlesien bis nach Kärnten in seine neue Heimat mit. Sein Sohn war von 1908 bis 1912 Bürgermeister von Fresach.
Ein weiteres außergewöhnliches Exponat des Fresacher Museums ist eine evangelische Bibel aus dem Jahr 1727. Sie gelangte auf einem besonderen Weg vom Zillertal über Schlesien nach Kärnten. Beim ersten Nachfahrentreffen der aus dem Zillertal stammenden protestantischen Auswanderer nach dem Zweiten Weltkrieg, das anlässlich der 125-Jahr-Feier im Jahr 1962 in Mayrhofen stattfand, wurde diese Bibel von den Nachfahren des Altbischofs Oskar Sakrausky aus Fresach zur Aufbewahrung in der schon damals bedeutenden Toleranzgemeinde übergeben. Auf der Rückseite der alten Bibel fanden Helga und Horst Bast die handschriftlichen Eintragungen der Teilnehmer dieses Treffens zur Übergabe. Die anschließenden Anmerkungen und Beiträge zu den Ausführungen von Helga und Horst Bast waren sehr rege.
Anschließend berichtete Klaus Erich Becker aus ganz aktuellem Anlass noch einmal über die Kunstwerke, die bisher im Musée Lalique in Wingen-sur-Moder zu sehen waren. Am Sonntag, dem 5. Juli 2026, gegen 5.30 Uhr morgens, wurde in das Museum eingebrochen. Der Wert der Beute wird auf etwa vier Millionen Euro geschätzt. In dem Museum werden die berühmten Glas- und Kristallarbeiten von René Lalique aus der Zeit des Jugendstils und des Art déco präsentiert.
Helga und Horst Bast/red.



1: Die Hausglocke der Familie Schneeberger. 2: Bgm. Franz Schneeberger – Foto: Gemeinde Fresach, mit KI bearbeitet. 3: Bibel der Zillertaler Auswanderer, gedruckt 1729, im Museum Fresach.
Foto/©: Horst Bast, mit ChatGPT bearbeitet.