Mundarten oder Dialekte sind auf dem Rückzug. Nicht überall in gleichem Maße. Die (neue) Alltagssprache, die wir im Beruf, beim Einkaufen, auf Behörden und oft auch in der Familie benutzen, ist jedoch nicht die normierte Bühnensprache, die wir abends in der Tagesschau hören. Die Alltagssprache ist regional geprägt. Für viele Wörter und Redewendungen des Alltags gibt es keine allgemeinverbindliche Form, die im gesamten deutschen Sprachgebiet gilt. So gibt es Unterschiede zwischen dem Deutschen in Deutschland, Östereich und der Schweiz sowie auch in den kleineren Gebieten wie z.B. Ostbelgien, Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol. Auch innerhalb Deutschlands gibt es viele Unterschiede, die aus den Mundarten herrühren und in der Alltagssprache weiterleben. Der wissenschaftlichen Erforschung der sogenannten Umgangssprachen haben sich bereits mehrere Projekte gewidmet, darunter das Citizen-Science-Projekt „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ der Universitäten Lüttich (Liège) in Belgien und Salzburg in Österreich, das auf die Expertise der Bürgerinnen und Bürger setzt. In verschiedenen Fragerunden werden im Internet immer neue Fragen gestellt. Derzeit läuft Fragerunde 14, bei der nicht nach der individuellen Gebrauchsform der Internetnutzer*innen gefragt wird, sondern nach dem „normalen, ortsüblichen Sprachgebrauch“. In den online zugänglichen und auch online auszufüllenden Umfrageformularen gibt es zu jeder Frage sowohl vorgegebene Antwortmöglichkeiten als auch ein Freitextfeld, in dem weitere Angaben gemacht werden können. Prof. Dr. Stephan Elspaß (Salzburg) und Prof. Dr. Robert Möller (Liège) haben das Projekt initiiert und betreuen die Umfragerunden seit 2003.

Dass sich Sprache ständig ändert, sieht man z.B. an der Karte „gebratener Fleischkloß“. Während im Saarland in den Mundarten noch Flääschkiechelche, Fleischkiechelche und ähnliches gilt, hat sich in der Umgangssprache bei uns inzwischen Frikadelle durchgesetzt (siehe Karte unten). In Baden-Würtemberg und Franken ist hingegen Fleischküchle noch in der Alltagssprache lebendig. Aber machen Sie doch einfach hier mit bei der nächsten Fragebogenaktion, als Experte oder Expertin für Ihre Alltagssprache!

Quellen: AdA = Elspaß, Stephan & Robert Möller. 2003ff. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA).
<https://www.atlas-alltagssprache.de> und eigene Recherchen des VLS-Infoteams.

Atlas zur deutschen Alltagssprache