Herausgegeben von Jutta Schwan
Inhalt: Frank JOHN: Zum Einstieg • Stefan ULRICH: Homburg – ein Renaissanceschloss auf dem Berg? • Andreas STINSKY: Das verschwundene Schloss von Wecklingen • Gustl ALTHERR: Die Gustavsburg in Jägersburg • Jutta SCHWAN: Gutenbrunnen • Jutta SCHWAN: Das Edelhaus in Schwarzenacker • Jutta SCHWAN: Das Jagdschloss Herzog Christians IV. in Jägersburg • Margit VONHOF-HABERMAYR: Das Schloss zu Blieskastel • Jutta SCHWAN: Schlösser und Gärten des gräflichen Hauses von der Leyen um den Würzbacher Weiher • Jutta SCHWAN: Der Königsbrucher Hof in Bruchhof • Jutta SCHWAN: Schloss Karlsberg bei Homburg • Jutta SCHWAN: Das Schlösschen der Herzogin in Homburg • Jutta SCHWAN: Die Paläste und Gärten in der Homburger Vorstadt • Martin BAUS: Der Kirchheimer Hof in Breitfurt • Susanne NIMMESGERN: Die St. Ingberter Industriellenfamilie Kraemer • Jutta SCHWAN: Die Höfe in der Umgebung von Hassel • Lorenz KAMPFMANN: Neue Hofsiedlungen zu Beginn und Mitte des 18. Jahrhunderts im Herzogtum Zweibrücken • Literatur Schlösser und Adelssitze (Auswahl) • Die Autorinnen und Autoren
Wer aus dem Saarpfalz-Kreis stammt oder ihn gerne besucht, kann sicherlich auf Anhieb eine Reihe der dortigen Schlösser und Adelssitze nennen, die heute noch erhalten sind. Und jedem im Saarland und in der Westpfalz ist auch das verlorene Schloss Karlsberg bei Homburg bekannt – „größer als Versailles“, wie es dann meist heißt. Wer den von Jutta Schwan herausgegebenen Band aufschlägt, wird aber noch etliche weitere Orte und Gebäude entdecken, von denen er vielleicht schon einmal gehört hat, aber kaum etwas weiß. Das Buch schließt somit eine Lücke für Geschichtsinteressierte, die sich einen Überblick verschaffen möchten. Die Herausgeberin ist zugleich die fleißigste Autorin, die viele der weniger bekannten Herrensitze in eigenen Artikeln behandelt hat. In allen gut lesbaren Beiträgen werden die Quellen dennoch nicht verschwiegen. Eine Auswahlbibliografie ergänzt den Band und ermöglicht so ein vertieftes Studium.
Eine große Stärke des Bands sind die herausragenden Abbildungen aus den unterschiedlichsten, für Normalsterbliche zum Teil kaum zugänglichen Quellen. Sie wurden von Markus Dawo vom Conte Verlag hervorragend gelayoutet. So erhielten die Herrensitze eine Bühne, auf der sie inszeniert werden konnten. Ein Privileg unserer Zeit sind die neuen Möglichkeiten der digitalen Architekturvisualisierung: Andreas Matzerath und andere Beteiligte haben das Jagdschloss Herzog Christians IV. in Jägersburg und Schloss Karlsberg bei Homburg auf eindrückliche Weise wieder sichtbar gemacht. Mit dem Fortschritt der archivalischen und archäologischen Forschung wird man solche Visualisierungen mit Sicherheit fortsetzen und weiterentwickeln können. Man könnte einwenden, dass auch eine künstlerische Gestaltung mit herkömmlichen Techniken dies vermocht hätte. Doch die maßstäbliche Perspektivierung und der Detailreichtum der digitalen Technik entfalten einen eigenen Reiz.
Das Kapitel über den Hof Gutenbrunnen am Fuß des Werschweiler Bergs gehört zu den vergnüglichsten und spannendsten Lektüren des Buches. Schon die Römer schätzten die Quelle, doch dann blieb sie lange unbeachtet. Obwohl es in der Frühen Neuzeit Berichte über die Qualität der Quelle gab, wurde erst im frühen 18. Jahrhundert der Versuch unternommen, einen Bäderbetrieb zu etablieren. Die Geschichte des Ortes ist auch mit der unglücklichen Saarbrückerin Louise Dorothea Hoffmann (1700–1745) verbunden. Sie war die Ehefrau zur linken Hand des Zweibrücker Herzogs, der ihr das Jagd- und Lustschloss Louisenthal baute. Weder Louise noch dem Schloss war Glück beschieden. Später war es Standort der ebenfalls glücklosen Zweibrücker Porzellanmanufaktur. Die Reste der Anlage sind heute, wie so viele der beschriebenen Stätten, vor den Blicken der Öffentlichkeit verborgen. Zugängliche Orte wie die Gastronomie des Annahofs am Niederwürzbacher Weiher oder das Edelhaus im Römermuseum Schwarzenacker sind dafür immerhin eine Entschädigung.
Andreas Schorr
Der großformatige, reichhaltig bebilderte Pappband (246 Seiten) ist zum Preis von 28,- EUR im Buchhandel (ISBN 978-3-95602-304-0) oder direkt beim Conte-Verlag erhältlich.
