Über ein volles Haus konnte sich Archivdirektor Dr. Hans-Christian Herrmann anlässlich des Vortrages von Dr. Eva Kell zur Geschichte des Bieres im Saarbrücker Stadtarchiv freuen. Bis zum Beginn des Vortrages mussten weitere Stühle herangeschleppt werden, bis wirklich niemand mehr in den Vortragssaal passte.
Dr. Eva Kell hat selbst ausführlich zur Brauerei- und Wirtshausgeschichte der Stadt Saarbrücken geforscht und konnte aus dem Vollen schöpfen. Für viele Zuhörer überraschend war Saarbrücken in der Frühen Neuzeit zuerst eine Weinstadt und das Bier eher ein Haustrunk, der von der Hausfrau hergestellt wurde, auch für das Bierkränzchen, den Vorläufer des Kaffeekränzchens, im Kreis ihrer Freundinnen. Erst im 18. Jahrhundert ging es so richtig los mit der Saarbrücker Bierkultur. Noch waren die Brauereien sehr klein und es wurde im und in der Nähe des Wirtshauses gebraut. Die Wirte waren meist angesehene Bürger, stets informiert und nicht selten auch Akteure des politischen Geschehens.
Die Wirte- und Brauerfamilie Bruch stand im Mittelpunkt des Vortrages. Einige Mitglieder der Familie hatten sowohl in der Napoleonischen Zeit, in der folgenden Angliederung an Preußen und in den demokratischen Bestrebungen und Revolutionen des 19. Jahrhunderts eine für die Stadt bedeutende Rolle gespielt.
Das 19. Jahrhundert brachte auch die Industrialisierung des Braugewerbes, das rasante Wachstum der Brauereien in Saarbrücken und vielen weiteren Saarstädten und die Ausbreitung des Markenbewusstseins. Als „gesunde“ Alternative zum geächteten Branntwein wurde Bier zum Arbeitergetränk. Die Reminiszenzen an die vergangene Saarbrücker Braukultur bewegten das Publikum hörbar und kamen in einer äußerst regen Fragerunde zum Ausdruck, in der auch die Emotionen spürbar waren.
Das Saarbrücker Stadtarchiv wird seine Vortragsreihe zu den genussvollen Seiten der Geschichte mit Vorträgen zum Champagner, zum Riesling und zum Küssen fortsetzen.