Irene Bleymehl,
die erste Kriminalhauptkommissarin des Saarlandes
von Laurens Schlicht
Aus dem Inhalt: Vorwort • Einleitung • 1939: Irene Bleymehl entscheidet sich für die Polizei • Wie passt die Weibliche Kriminalpolizei in das Regime? • Wie passte Irene Bleymehl in die Weibliche Kriminalpolizei im Nationalsozialismus? • Kriegsende und Übergang in die Nachkriegszeit • Nachkriegszeit • Schluss • Biographie Irene Bleymehl (1909–1982) • Relevante Gesetze, Erlasse und Verordnungen für die Weibliche Kriminalpolizei aus der Zeit von 1933 bis 1945.
Laurens Schlicht zeigt in seiner als persönlicher Spurensuche gehaltenen kurzen Schrift über Irene Bleymehl, die erste Kriminalhauptkommissarin des Saarlandes (Dialog, Band 31), wie eng berufliche Emanzipation und politische Verstrickung miteinander verbunden sein können. Ausgehend von der Lebensgeschichte dieser weitgehend unbekannten Pionierin der Polizeigeschichte beleuchtet der Autor ein bislang wenig beachtetes Kapitel deutscher Zeitgeschichte: die Geschichte der Weiblichen Kriminalpolizei und ihre Rolle im Übergang von der NS-Diktatur zur Nachkriegsgesellschaft.
Irene Bleymehl (1909 – 1982) gab 1939 ihre Tätigkeit als Klavierlehrerin auf, um Polizistin zu werden. Nach dem Krieg kehrte sie in den Polizeidienst zurück und leitete ab 1948 die Weibliche Kriminalpolizei in Saarbrücken. 1965 erreichte sie als erste Frau im Saarland den Rang einer Kriminalhauptkommissarin. Ihr beruflicher Aufstieg steht beispielhaft für die zunehmenden Möglichkeiten von Frauen in einem traditionell männlich geprägten Berufsfeld. Doch Schlicht belässt es nicht bei dieser Erfolgsgeschichte.
Auf Grundlage von Briefen, Fotografien und weiteren persönlichen Dokumenten zeichnet er ein differenziertes Bild seiner Protagonistin. Dabei arbeitet er unter anderem heraus, dass Bleymehl überzeugte Nationalsozialistin war und auch nach 1945 an autoritären Vorstellungen von gesellschaftlicher Ordnung festhielt. Ihre Biografie verdeutlicht, wie wenig selbstverständlich ein grundlegender Neuanfang nach dem Ende des NS-Regimes war. Während sich politische und rechtliche Rahmenbedingungen veränderten, blieben bestimmte Denkweisen und polizeiliche Praktiken bestehen.
Gerade die Verbindung von individueller Lebensgeschichte und institutioneller Entwicklung macht diese Untersuchung lesenswert. Sie zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es ist, die Geschichte der weiblichen Berufstätigkeit zu würdigen, ohne die ideologischen Voraussetzungen und problematischen Seiten des beruflichen Handelns auszublenden. So wird Bleymehls Lebensweg zu einem aufschlussreichen Beispiel für die Widersprüche zwischen weiblicher Emanzipation, staatlicher Macht und demokratischem Neubeginn.
Die kompakte Schrift eröffnet einen Zugang zu einem wenig bekannten Bereich der Polizeigeschichte und regt dazu an, vertraute Vorstellungen von der „Stunde Null“ nach 1945 kritisch zu hinterfragen. Es ist eine behutsam argumentierende, kenntnisreiche und differenzierte Studie, die historische Aufarbeitung mit einer bis heute aktuellen Frage verbindet: Wie gehen Institutionen und Gesellschaften mit den Belastungen ihrer eigenen Vergangenheit um?
Andreas Schorr
Die kleinformatige Broschur (78 S.) kann bei der Stiftung Demokratie Saarland (Europaallee 18, 66113 Saarbrücken) erworben werden. Wie alle Schriften der Dialog-Reihe steht sie auch als PDF zum Download zur Verfügung.