Terminkalender

Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler
Sonntag, 10. Juni 2018, 17:00
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Wie in den vergangenen Jahren bieten Klaus Burr und Hans-Joachim Hoffmann auch in diesem Jahr wieder Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler an.
Damit erinnern sie an die ca. 150jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde Ottweilers, deren Ende vor 80 Jahren mit der Reichspogromnacht am 9. November 1938 eingeleitet wurde und mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung Ottweilers im Zuge der Aktion Bürckel am 22. Oktober 1940 ihr Ende fand.

Dank der auf Ewigkeit angelegten jüdischen Friedhöfe konnten die Grabstätten Grundlage werden für die Erforschung der gewaltsam vernichteten jüdischen Gemeinde Ottweiler, denn„(e)s war und bleibt die vornehmste Aufgabe des jüdischen Friedhofs, einer jeden und einemjedem Verstorbenen das individuelle Grab dauerhaft, d.h. ohne jede zeitliche Begrenzung, zubewahren.“ (Prof. Dr. Michael Brocke, Leiter des Steinheim-Instituts Duisburg)

Die Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweilers bemühen sich deshalb darum, diesenlokalen Friedhof „als geschichtlich gewolltes und gewordenes Ganzes“ vorzustellen, um damit „der versteinerten Lebensgeschichte“ des Ottweiler Judentums gerecht zu werden undzugleich die Aussage Prof. Brockes zu bestätigen:

„Unsere älteren Friedhöfe sind ideal geeignet für den an der ‚Mentalitätsgeschichte‘ geschulten Blick, einer in Frankreich entwickelten Methode, die auf Phänomene einer ‚longue durée‘ und auf deren sorgfältige Beobachtung verwiesen ist. In ‚langer Dauer‘ sollen nahezuunmerkliche Veränderungen erfasst und erschlossen werden.

Dazu ist es entscheidend für das Verständnis der Welt der Grabschriften, einen Friedhof als geschichtlich gewolltes und gewordenes Ganzes zu studieren und alle einzelnen Elemente seiner Schrift- und Zeichensprache zu entziffern. Nur so wird man der versteinerten Lebensgeschichte einer Gemeinde gerecht.

Dies gilt nicht nur für nachgerade einmalige Orte wie Worms, Frankfurt am Main oder Prag für das Mittelalter, wie Hamburg-Altona, Berlin oder Budapest mit ihren großen Friedhöfen der Frühen Neuzeit und des 19./20. Jahrhunderts. Es gilt auch für die später entstandenen großen und kleinen Landfriedhöfe des 17. bis 20. Jahrhunderts, seien sie im weniger frommenWestfalen oder im altfrommen Franken gelegen.“

Auf die Frage, warum jüdische Friedhöfe zu erhalten seien, führt Prof. Brocke aus:„Am Ort selbst, auf dem Ort selbst, will es uns noch einmal einhämmern - als genüge es nicht, es immer wieder, Ort um Ort, auszusprechen: Die jüdischen Friedhöfe sind an vielen Orten in Deutschland die einzig überlebenden Zeugen und Zeugnisse der jüdischen und der deutsch- jüdischen Geschichte. Sie verweisen in der Abfolge der Generationen die Kontinuität und die Stabilität jüdischen Lebens und sie zeigen in deren gewaltsamem Abriss in den späten dreißiger und frühen vierziger Jahren die jähe Beendigung, ohne Fortsetzung für die meisten der Stätten. Geschichte aber kann und darf nicht durch Gewalt beendet werden.

Also sei diese Tatsache ein besonderer Grund zur Bewahrung der Begräbnisstätten, welcher insbesondere auch die Nicht-Juden angeht, und das nicht, um Schuld für die Ältesten oder Scham für die Jüngsten erzeugen oder zu kumulieren, sondern um ihr Wissen von der Geschichte endlich auch innerjüdisch und positiv zu laden, es nicht allein unter dem Vorzeichen der Schoah zu fördern, wie es immer neu geschieht, gewiss geschehen muss, doch nicht immer in dieser das auch potentielle Interesse vieler lähmenden Ausschließlichkeitgeschehen sollte. Hier liegt ein kaum gehobenes, Identität stärkendes Potential.“

Dieses Potential zu heben - dazu möchten die Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler, die Klaus Burr und Hans-Joachim Hoffmann zu folgenden Terminen anbieten, einen Beitrag leisten:

Sonntag, 10. Juni 2018, 17.00 Uhr Sonntag, 09. September 2018, 17.00 Uhr Sonntag, 07. Oktober 2018, 17.00 Uhr

Zur Aufarbeitung der NS-Zeit und zur Erinnerung an die letzten jüdischen Bewohner Ottweilers verfasste Hans-Joachim Hoffmann die Dokumentation „Seid vorsichtig mit der Obrigkeit...!“ Beitrag zur Erinnerungskultur und Lokalgeschichte Ottweilers.“ Dieses 405Seiten umfassende Buch (ISBN 978-3-946313-01-4) kann zum Preis von € 19.80 erworbenwerden bei:

Archäologie - Büro & Verlag - Glansdorp, Kantstraße 32, 66636 Tholey, Hans-Joachim Hoffmann, Adolf-Kolping-Weg 7, 66564 Ottweiler (06824-7990) Sparkasse Neunkirchen, Filiale Wilhelm-Heinrich-Straße, 66564 Ottweiler Presse-Shop Ottweiler, Inhaberin Hannelore Henn, Wilhelm-Heinrich-Straße 13, 66564 Ottweiler.

Ort Jüdischer Friedhof Maria-Juchacz-Ring, 66564 Ottweiler