Nachlese - Die Geschichte der „Recktenwalds Mühle“ in Fürth Eine Powerpoint Präsentation von Werner Butz in der VLS Geschäftsstelle

 

10 Jahre akribischer Recherche, wochen-, ja monatelanges Schürfen in Archiven von Trier bis Freiburg, unzählige Telefonate und Mailkontakte mit Behörden und Verwaltungen, mit Stammbäumen drapierte Zimmerwände… und herauskam… ein USB-Stick, halb so groß wie ein Merci Schoko-Täfelchen.
Alles begann, als der bekannte Gastronom Markus Keller 2012 vom Speiselokal „Zur Linde“ in Mainzweiler in das Landgasthaus „Werns Mühle“ in Fürth umzog. Bei den mit dem Umzug verbundenen baulichen Maßnahmen half ihm sein Mainzweiler Nachbar, der ebenso hilfsbereite wie handwerklich geschickte Werner Butz. Schon bald machte er die Bekanntschaft von Toni Böffel, der ganz in der Nähe der „Werns Mühle“ wohnt und ein ausgeprägtes Faible für die Mühlen im Ostertal hat.
Seine Schwiegermutter war nämlich eine Schwester von Alois Brill, dem letzten Müller, der die 1978 abgerissene, ebenfalls an der Oster gelegene „Recktenwalds-“ oder „Brill Mühle“, wie sie von den Einheimischen genannt wird, betrieb. Toni Böffel hatte schon seit geraumer Zeit Nachforschungen über die Geschichte der Mühle, aus der seine Schwiegermutter stammt, angestellt und eine umfangreiche Dokumentensammlung angelegt.
Als er Schwierigkeiten mit der Übersetzung eines aus der napoleonischen Zeit stammenden Dokuments hatte, bat er den pensionierten Gymnasiallehrer Werner Butz um Hilfe. Werner Butz, Landeskundlern bisher hauptsächlich durch seine Bemühungen um Erforschung, Erhaltung und Restaurierung der Mainzweiler Bannsteine bekannt, verfügt über langjährige Erfahrung im Umgang mit alten Dokumenten und Urkunden und war gern bereit zu helfen.
Im Laufe der Zeit verdichteten sich die Kontakte zwischen den beiden Heimatforschern, und irgendwann war Werner Butz so sehr vom „Mühlengeist“ besessen, dass er seine ganze Erfahrung und seinen ganzen Forscherehrgeiz in die Aufarbeitung der Geschichte der „Recktenwalds Mühle“ steckte.
Nur Menschen, die sich mit wissenschaftlich exakter Erforschung landeskundlicher Themen beschäftigt haben, können den zeitlichen Aufwand und die Mühen ermessen, die in einer solchen Arbeit stecken, nicht zu vergessen auch die Enttäuschungen, etwa wenn vielversprechende Fährten letztendlich in die Irre führen.

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Das Ergebnis dieser 10 Jahre währenden Sisyphus Arbeit liegt nun vor, komprimiert auf einem USB-Stick in Form einer Powerpoint Präsentation. Hier wurde, im wahrsten Sinn des Wortes, „Power auf den Punkt“ gebracht.
Am 08. Juli 2022 ließ Werner Butz vor einem kleinen Kreis Fürther Heimatforscher in der Geschäftsstelle des Vereins für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS) im St. Wendeler Bahnhof den „Mühlengeist“ aus der Flasche. In einer gut zweistündigen Präsentation ließ er die wechselvolle Geschichte der „Recktenwalds/Brill Mühle“ und der Müllerfamilien, die sie betrieben, Revue passieren. Dabei deckte er einen Zeitraum von fast 300 Jahren (1726 bis 2017) ab.
Bemerkenswert auch, dass zwischen den Ästen der Stammbäume immer wieder berührende Einzelschicksale, wie etwa die erschreckend hohe Kindersterblichkeit und die Mühsal des kleinbäuerlich geprägten Mühlenalltags zum Vorschein kamen.

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Im Anschluss an die als „Probelauf“ gedachte Vorführung entspann sich eine interessante und anregende Diskussion zwischen dem Referenten Werner Butz und der anwesenden Expertenrunde, bestehend aus Willi Wern, 1. Vorsitzender des „Heimat- und Kulturvereins Fürth“, gleichzeitig Besitzer und Betreiber der „Historischen Ölmühle Fürth“ („Werns Mühle“), Toni Böffel und Herbert Kremp, auch sie Mitglieder des HKV Fürth, und selbstverständlich, ebenso wie Willi Wern, Mitglieder des VLS.
Die Runde machte sich auch Gedanken darüber, was nun mit dem vorliegenden, gut sortierten und ansprechend arrangierten Material geschehen solle.
Die Heimatkundler waren sich mit Werner Butz darüber einig, dass die Geschichte der „Recktenwalds/Brill Mühle“ nicht nur der Fürther Bevölkerung in Form einer Powerpoint Präsentation vorgestellt werden sollte, sondern dass auch eine „Verschriftung“, also eine Veröffentlichung in Buchform, wünschenswert wäre.
Abgesehen von ihrer hohen, allen wissenschaftlichen Kriterien gerecht werdenden Qualität, machte die Präsentation noch etwas Anderes deutlich, nämlich die wichtige Rolle, die der technisch hochgerüsteten Geschäftsstelle des VLS als Plattform und Experimentierfeld für landeskundliche Arbeiten zukommt und in Zukunft in verstärktem Maße zukommen wird.
Text: Günter Groß