Nachlese - Eine Reise in die alte Heimat der Zillertaler Auswanderer im Rahmen des EU - ERASMUS+ Programms

 

Vom 23. bis 28. Mai 2022 besuchte eine polnische Frauengruppe aus Mysłakowice, dem ehemaligen Zillerthal-Erdmannsdorf, das hintere Zillertal in Tirol. In Zillerthal-Erdmannsdorf wurden die 1837 ausgewanderten Protestanten aus dem Zillertal vom preußischen König Friedrich Wilhelm III angesiedelt. Die Frauen nahmen an dem Erasmus+ Programm der Europäischen Union teil, das unter dem Motto steht „Wie machen das die anderen“?
Die Kontakte für die Gruppe ins hintere Zillertal haben die Nachfahren der Zillertaler Protestanten von 1837, Helga und Horst Bast aus dem Saarland, hergestellt. Die Eheleute Bast sind neben ihren historischen Forschungen im polnischen Schlesien und im Zillertal aktive Mitglieder im Verein für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS). Sie haben die Vorschläge für das Programm mit der Leiterin der Gruppe Maria Stenzel in Polen erarbeitet.
Einige Frauen der Gruppe wohnen heute in den Tiroler Häusern der ausgewanderten Zillertaler. Vor 185 Jahren hatte der preußische König für seine „Tiroler“ originale Tiroler Streckhöfe am Fuße des Riesengebirges bauen lassen. Deshalb wollte die Gruppe im Rahmen ihres Besuches im Zillertal auch näheres über diese Geschichte erfahren.
Durch diese geschichtlichen Aspekte entschlossen sich die sechs Auswanderergemeinden, Brandberg, Finkenberg, Mayrhofen, Ramsau, Schwendau und Hippach, die vorgesehen Veranstaltungen auszurichten.
Am Montagabend begrüßte der Bürgermeister der Marktgemeinde Mayrhofen Hans Jörg Moigg die Gäste aus Polen. Georg Huber, Schützenhauptmann aus Ramsau und das Ehepaar Bast starteten am nächsten Morgen mit der Gruppe das umfangreiche Programm mit einer Besichtigung der Trachtenschneider Knauer in Mayrhofen, es folgte die Gemeinde Brandberg, das Sonnendorf im Zillertal.

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Bürgermeister Heinz Ebenbichler begrüßte die Gäste und lud sie als Highlight für diesen Tag zur Besichtigung auf die Staumauer im Zillergrund auf 1900 Meter Höhe ein. Am Mittwoch stand die Ranzenstickerei von Alexander Stiegler in Stumm auf dem Programm. Er zeigte den Teilnehmern die Geschichte und die Fertigung der Zillertaler Ranzen. Eine Führung durch das Zillertaler Braukunsthaus in Zell am Ziller und ein Besuch mit Bürgermeister Fritz Steiner in Ramsau am Auswanderdenkmal sowie des Winkelhäusl, dem Geburtshaus von Johann Fleidl, dem Führer der Zillertaler Auswanderer, schloss sich an. Das Ausbacken der Zillertaler Krapfen, die Spezialität im Zillertal, stand am frühen Abend auf dem Programm. Unter Anleitung lernte die Gruppe die einzelnen Schritte der Herstellung und des Ausbackens.
An den drei Linden in Schwendau, dem geschichtsträchtigen Versammlungsplatz, erläuterte der Schwendauer Bürgermeister Franz Hauser mit Unterstützung von Helga und Horst Bast weitere Details zur Geschichte der Zillertaler Auswanderung von 1837. Im Museum Strasser Häusl in Laimach, in dem die Nationalsängerfamilie Strasser wohnte, zeigte Alexander Tipotsch, der Bürgermeister von Hippach und Laimach, den Gästen auf, wie die Familie das Lied „Stille Nacht“ in großen Teilen der Welt verbreitete.

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In Finkenberg ließ Bürgermeister Andreas Kröll durch Petra Dornauer Einblicke in die Herstellung der Zillertaler Frauentracht geben. Die Finkenberger Frauengruppe zeigte in eindrucksvoller Weise die einzelnen Schritte des Doggelnmachens. Doggeln sind im Zillertal handgemachte Filzhausschuhe. Zum Abschluss besichtigten die Frauen die Erlebnissennerei Zillertal in Mayrhofen mit ihrem großen Angebot an Milchprodukten.

Das umfangreiche Programm in der alten Heimat der Zillertaler Auswanderer hinterließ bei der Gruppe des Erasmus+-Programms einen bleibenden Eindruck.
Text und Fotos: Helga und Horst Bast, Nachfahren der Zillertaler Auswanderer von 1837