Ausstellung in Eppelborn - Humes - Dr. Joseph Rech - ein früher „Europäer“?

 

In dem neuen „Humeser Schmuckkästchen“, dem „Haus Rech“, wurde vergangene Woche eine vom Förderkreis für Heimatkunde und Denkmalpflege e.V. Eppelborn zusammengestellte Bilderausstellung eröffnet. Der Titel der Ausstellung lautet: Dr. Joseph Rech - ein früher „Europäer“?

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Der genannte Dr. Joseph Rech, Sohn des Humeser Dorfschullehrers Peter Joseph Rech, war 1856 in dem genannten Hause geboren und groß geworden und nach dem deutsch-französischen Krieg gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Jakob Rech in das neu geschaffene Reichsland aufgebrochen, um an Metzer Schulen der heranwachsenden Jugend Sprache und Kultur der neuen Landesherren zu vermitteln. Er avancierte zum Direktor am Bischöflichen Gymnasium in Montigny/Metz, Bürgermeister von Sablon/Metz und Landtagsabgeordneten im Reichsland Elsass-Lothringen. Der lothringische Historiker Francois Roth konnte nachweisen, dass Joseph Rech ein Freund und Gönner von Robert Schuman war, der mit anderen Zentrumspolitikern dem „großen Europäer“ den Weg in die Politik geebnet hatte. Dies lässt vermuten, dass Rech und Schuman die gleichen politischen Ziele verfolgten, nämlich die Aussöhnung der bis dahin verfeindeten Nachbarn. Nur so ist auch die überwältigende Zustimmung der überwiegend französischstämmigen Bewohner seiner Heimatgemeinde Sablon bei seiner Wahl zum Bürgermeister zu erklären.
Im Jahre 1911 wurde Joseph Rech wegen seiner Verdienste von Kaiser Wilhelm II. in die Notabeln-Kammer des Landtags von Elsass-Lothringen in Straßburg berufen. Mit großem Engagement hat er sich dieser Aufgabe gewidmet und an der Gesetzgebung und Verwaltung des Reichslandes mitgewirkt. Er war, noch vor Bartholomäus Koßmann, der erste Parlamentarier aus der heutigen Gemeinde Eppelborn.
Als enger Vertrauter von Bischof Willibrord Benzler/Metz war Rech auch an höchst verantwortlicher Stelle 1907 beim Internationalen Eucharistischen Kongress, 1910 bei der Tagung der Görres-Gesellschaft und 1913 beim Deutschen Katholikentag in Metz tätig. Auf Grund seiner Verdienste um die kath. Kirche hat Rech 1914 eine seltene päpstliche Auszeichnung erfahren. An sein breites Ordensband konnte der Große St. Georg Ritterorden für Zivilpersonen angeheftet werden.
Interessanterweise sind die beiden Vertrauten von Joseph Rech, sowohl Bischof Benzler als auch Robert Schuman, heute Gegenstand eines Seligsprechungsverfahrens in Rom.
Nach dem verlorenen Weltkrieg musste Rech 1919 Haus und Hof, eine lieb gewonnene Heimat und das Reichsland verlassen. Von pöbelnden Massen beschimpft, eilte er über die Kehler Brücke, fand zunächst Unterkunft in Riegel am Kaiserstuhl und konnte dann bei Verwandten in Köln unterkommen. Hier ist er, von Schmerz und Selbstzweifeln geplagt, nach wenigen Tagen verstorben.

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Der Kurator der Ausstellung, Hans Günther Maas, Vorsitzender des Förderkreises für Heimatkunde und Denkmalpflege Eppelborn, erklärte bei der Ausstellungseröffnung: „Das „Haus Rech“ in Humes steht sinnbildlich für die deutsch-französische Geschichte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es steht für die 1871 beginnende „Germanisierung“ des Reichslandes Elsass-Lothringen, aber auch für die 1918 einsetzende menschenverachtende Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung. Eine Nutzung des Hauses im Sinne der deutsch-französischen Verständigung sei das Gebot der Stunde.“
Die Ausstellung und das „Haus Rech“ kann vorerst alle 14 Tage, beginnend am Sonntag dem 26. Juni, jeweils von 15.00 bis 17.00 Uhr besichtigt werden.