Mundartnachrichten - Verleihung des Ehrenpreis Mundart 2020 an Marianne Haas-Heckel aus Saargemünd

 

Seit 2016 verleihen der MundartringSaar und der Verein für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS) in zweijährigem Turnus gemeinsam den „Ehrenpreis Mundart“ an Menschen, die sich um die regionale Mundartkultur besonders verdient gemacht haben.
Nachdem 2016 mit Alice Hoffmann (Schauspielerin) und Sören Meng (mundart-literarisch aktiver Landrat des Kreises Neunkirchen) zwei saarländische Vorkämpfer für die Mundart und 2018 Susanne Wachs (Saarländischer Rundfunk) ausgezeichnet wurden, ging der „Ehrenpreis Mundart 2020“ an die lothringische Autorin Marianne Haas-Heckel.
Die Saargemünder Schriftstellerin ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur mit eigenen Mundarttexten hervorgetreten. Sie hat allein von 1994 bis 2018 insgesamt 14 Bücher mit Bezug zu ihrer Heimatregion herausgebracht, übersetzt oder daran mitgearbeitet. „Mir honn so geredd“, lautete der Titel ihres ersten Saargemünder Mundartbuchs. 2001 verfasste sie das „Wärterbuch vum Saargeminner Platt“ und 2016 krönte sie ihr Lebenswerk mit dem großen „Saargeminner Platt Wärderbuuch“.
2018 brachte sie gemeinsam mit ihrem Mann Roland ein Kochbuch heraus mit dem Titel, „Uss der Omma ihri Kisch“. Zu den Publikationen von Haas-Heckel gehört aber auch ein Witzebuch. Darüber hinaus übersetzte sie bekannte Märchen ins Lothringische und gestaltete viele Jahre eine eigene Sendung beim Lokalradio Mélodie.

Nach ihrem Konzept und unter ihrer Leitung entstand 2007 die „Saargeminner Schriebsschdubb“. Darin treffen sich jedes Jahr Mundartautoren aus Lothringen und dem Krummen Elsass, um jeweils eine Zeitschrift zur Publikation ihrer Werke herauszubringen.

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Der Einsatz der Preisträgerin für Erhalt und Förderung des „Francique“, also der mosel- und rheinfränkischen Dialekte jenseits der Grenze, ist gar nicht hoch genug zu veranschlagen und nur mit dem Einsatz von Edith Braun (der bekannten Mundartexpertin und Initiatorin des Mundartrings, die dieses Jahr 100 geworden wäre) diesseits der Grenze zu vergleichen.
Eigentlich hätte der Preis schon vor einem Jahr überreicht werden sollen, was aber durch die pandemiebedingten Einschränkungen verhindert wurde. Die Ehrung wurde nun am 20. August nachgeholt –eingebettet in die Feierlichkeiten anlässlich des 20jährigen Bestehens des Saarländischen Mundartrings im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lebach – und erhielt so einen würdigen Rahmen.
Die Laudatio auf die Preisträgerin hielt der bekannte lothringische Mundartautor Jean-Louis Kieffer. Anschließend überreichten Mundartring-Vorsitzende Christel Keller und Friedrich Denne, Vorsitzender des Vereins für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS), der 75-jährigen ehemaligen Lehrerin und Autorin aus Saargemünd den „Ehrenpreis Mundart 2020“. „Ich bin gerührt und fühle mich sehr geehrt“, bedankte sich Preisträgerin Haas-Heckel.
In seiner kurzen Ansprache betonte Friedrich Denne die Bedeutung der Mundart für das Selbstverständnis der Menschen diesseits und jenseits der Grenze und unterstrich gleichzeitig den grenzüberschreitenden Charakter des Vereins für Landeskunde im Saarland e.V. (VLS).
Denne wies auch auf das Engagement des Vereins beim Projekt „Das Saarland in Platt“ hin, in dem repräsentative Mundartbeiträge aus möglichst allen saarländischen Ortschaften auf Audio-Dateien aufgezeichnet und später in eine interaktive Saarlandkarte eingearbeitet werden.