Größe ändern

Zum Thema "Wappen heute - Zukunft der Heraldik?" geht es um die Frage, was in der Staats- und  Kommunalheraldik wie auch in der Familienheraldik ein "gutes Wappen" ausmacht. Sie wird  immer wieder gestellt, weshalb man sich in der Pflicht sah, die Perspektiven einmal zu bündeln und Empfehlungen bzw. heraldische Gestaltungsgrundsätze gemeinsam mit  rund vierzig Experten, -darunter „Herold“ zu Berlin, „Kleeblatt“ zu Hannover, „Münchner Herold“ zu München und Wappenhandelsgesellschaft „Pro Heraldica“ zu Stuttgart- und Fachleute aus dem In- und Ausland zu diskutieren und zu Formulieren.

Berliner Erklärung  über heraldische Gestaltungsgrundsätze

1.

Fernwirkung: Ein Wappenbild sollte – wie moderne Verkehrszeichen – aus größerer 

Entfernung erkennbar sein, so dass es selbst für eine Verwendung im Siegel verkleinert 

werden kann. Insofern kommt die heraldische Darstellung mit möglichst wenigen Farben,

Schildteilungen und Figuren aus.

2.

Stilisierung: Die Heraldik bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen natürlicher und 

abstrahierender Darstellung, sollte aber stets genügend gegenständlich bleiben. Das 

gelingt ihr durch Stilisierung herkömmlicher – seltener von modernen – Figuren, durch 

Vereinfachung und Übertreibung der Charakteristika, etwa der Bewehrung von Tieren 

(Zähnen, Krallen, Hufen, Hörner, Schnäbel) oder der Staubgefäße, Blätter und Früchte 

von Pflanzen. Das führt zum

3.

„Pars pro toto“-Prinzip: danach steht der Teil für das Ganze. Zur leichteren Erkennbarkeit 

werden typische Teile vereinfacht abgebildet: statt eines Pfluges eine Pflugschar, statt 

eines Wagens ein Rad, statt einer Eiche eine Eichel usw.

4.

Anzustreben ist stets eine feld- bzw. schildfüllende Darstellung: Große Figuren reichen 

bis zum Rand, natürliche Größenverhältnisse bleiben außer Betracht. Überlappungen 

durch Mittel- oder Herzschilde sind unerwünscht.

5.

Kontrastreichtum entsteht durch die Verwendung möglichst weniger, auch „verwechselter“

Farben: Die Einhaltung der heraldischen Farbregel führt zu kontrastreicher Darstellung, 

weswegen auch Charakteristika, wie die Bewehrung der Tiere, anders tingiert werden 

sollten. Verwendung finden nur ganze Farben oder  Metalle, keine Farbnuancen oder

Pastelltöne.

6.

Im Schild Landschaften oder Gebäude (Kirchen, Schlösser, Rathäuser etc.) konkret 

und Perspektivisch darzustellen, ist unheraldisch (keine Ansichtskartenheraldik!). 

Die Wappenkunst fotografiert nicht, sondern verwendet typisierte, flächige Musterbilder, 

auch im Profil. Sie ist zweidimensional. Dieser Verzicht auf Perspektive gilt nur für den

Schildinhalt, während die äußeren Wappenteile „natürlich“, d.h.  dreidimensional  

aufgefasst werden, insbesondere die plastische Helmzier.

7.

Buchstaben oder Zahlen sind nicht bildhaft und auch nicht unterscheidungskräftig 

genug, weswegen die Verwendung von Monogrammen, Ziffern etc. als unheraldisch 

und auch als anachronistisch gilt.

8.

Größenverhältnisse: sie wechseln in der Stilgeschichte, doch sollte eine Relation von 

3 (Schild):2 (Helm): 3 (Helmzier) vorherrschen.

9.

Die das Schildbild möglichst wiederholende Helmzier wird nicht „schwebend“ dargestellt,

sondern sichtbar an dem am Schildrand aufsitzenden Helm befestigt und folgt diesem 

in seiner Blickrichtung nach vorn oder seitwärts gewendet. Der (ältere) Stechhelm ist 

der typisch bürgerliche Wappenhelm,  der (jüngere) Bügelhelm kommt im Allgemeinen 

dem Adel zu; mit der Begründung einer heute überholten Unterscheidung wird der 

Bügelhelm vielfach prätentiös dazu verwendet, adelige Abkunft vorspiegeln. 

10.

Die Wappendarstellung folgt der Wappenbeschreibung (manière de blason) und ist 

grundsätzlich nicht an den zur Entstehungszeit gültigen Stil gebunden, auch nicht an 

die in der Spätgotik bzw. in der Frührenaissance vorherrschenden Formen. Unter- und

Oberwappen müssen zeitlich und stilistisch zu einander passen; sie sollten eine 

künstlerische Einheit bilden.

 

Zur weiterführenden Lektüre wird das von Ludwig Biewer für den HEROLDs-Ausschuss 

der die Deutsche Wappenrolle herausgegebene „Handbuch der Heraldik“, die 19. Auflage 

der sogen. Wappenfibel (Neustadt/Aisch: Degener & Co. 1998, S. 105 ff.), empfohlen.

 

 „Berliner Erklärung" zum nachlesen.